Montag, Oktober 02, 2006

Je suis arrivé!

Die Reise nach Toulouse war lang, doch angenehm. Gestartet bin ich am 21.09.2006 um 5:08 und es war mal wieder knapp auf den letzten Minuten, zwei Minuten vorher brauste ich vor den Bahnhof Merseburgs. Eineinhalb Stunden Schlaf waren nicht viel, doch mussten Sie erst einmal ungewollt reichen um einer etwas älteren, aber netten Zugbekanntschaft von Naumburg bis Frankfurt intensiv zuzuhören. In Mannheim traf ich Thomas für zwei kurze Stunden um ein Frühstück einzunehmen und um eine kurze Stippvisite durch die Uni Mannheims und Stadt zu machen.

Ab Mannheim saß ich im Abteil mit einer ebenfalls netten Italienerin und ab Saarbrücken hatte ich das ganze (ab da nur noch) Schlafabteil für mich allein.

Ein wenig zerknirscht, aber doch noch lebendig, kam ich in Paris an. Willi traf ich an einer Metrostation und nach einem recht teuren chinesischen quick Fast Food ging es in die Innenstadt, auf eine Brücke zum anscheinend allseits bekannten Nachtpicknick (Alkohol + Käse, eventuell Chips). Viele Erasmus Studenten anwesend, doch die Deutschen waren mal wieder übermächtig….oder war ich nur beim deutschen Treffen?

Die Meisten von Ihnen Erasmus Studenten von der Science Po (anscheinend ein recht guter Name…) in Paris, aber auch so genannte Aussteiger(innen), Deutsche, die schon seit Jahren in Frankreich studieren und sich auch dabei sehr wohl fühlen traf ich dort. Mein sehr ausgeprägter kulturwissenschaftlicher Forschungssinn regte gleich die Frage an: Jaaa, was sind denn nun die GROßEN Unterschiede zu D – sehr interessant, aber würde jetzt den Rahmen sprengen, im Allgemeinen: die Franzosen leben bzw. genießen mehr! – Na, ich werde es wohl noch herausfinden. Also wird meine Bachelor Thesis lauten: Deutsche Wertarbeit vs. Camembert oder Brie (Kennt jemand die Werbung mit dem Karl May Winnetou: Wir Bries verrrste en uuns!). Also, Titel noch nicht ganz sicher, aber das Ziel ist klar.

Am nächsten Morgen verließ ich Willis Apartment wieder in aller Früh, um 6h später zur Mittagszeit in Toulouse anzukommen. Der TGV brachte mich günstig in den Süden, jedoch bemerkte ich erst mit Hinweis des Schaffners, dass ich sogar eine Platzreservierung hatte, bedauerlicherweise 4h zu spät. Die Zeit verbrachte ich auf einen sehr sehr (ha!) bequemen Sitzplatz im Gang des Zuges, direkt an der Einstiegstür.

Na ja, angekommen in Toulouse, hatte ich gleich französische Begleitung. Kennen gelernt durch eine französische Erasmusstudentin in Halle, führte mich Natacha durch die Stadt. Nach einigen Sehenswürdigkeiten und für mich wichtigen Adressen später, rief ich schon die ersten WG-Annocen an, leider erfolglos. So quartierte ich mich für die nächsten 3 Tage erst einmal in einem zentralen, aber stinkenden, die besten Zeiten erlebten, modrigen alten Hotel ein (dafür natürlich unschlagbar preiswert). Im Internetcafé nebenan ging ich dann die nächsten Tage auf intensive Suche. Man hier hinzufügen, dass die Franzosen einem gegenüber oft sehr freundlich und höflich sind, auch im I-café wurde mir sofort geholfen. Man ist dann immer etwas peinlich berührt, wenn man ewige 15min braucht um zu schildern was man braucht oder was man studieren wird und sowieso– aber auch da wurde mir genügend Geduld entgegengebracht.

Sehr glücklich war ich über erste Erfolge (d.h. über Besichtigungstermine von WGs). Meist war schon alles weg, aber am 4. Tag gab es den ersten glücklichen Fund zu melden – welcher jedoch nicht perfekt war. Der 5. Tag war sogar noch besser, weil ich an diesem ein passendes Zimmer in einer 5er WG fand. Mit „Zimmertür“ zum Garten und glücklicherweise auch möbliert. Erst Morgen werde ich Sie alle kennen lernen und hoffentlich auch bald einziehen dürfen, da mein Vormieter es anscheinend nicht so schnell auf die Reihe kriegt auszuziehen (zwischen 10. und 15.Oktober).

Nun bin freundlicherweise durch Natacha’s Hilfe, nach 3 Tagen Hotel, in der WG (5 Frauen!!) ihrer Schwester Sonia provisorisch untergekommen. Jedoch stellte sich mir jetzt ein Problem: ich konnte bislang in einem nicht bewohnten Zimmer übernachten. Da jedoch der Vermieter in letzter Zeit häufig ohne Anmeldung da war (fast als wäre er Jean-Pierre, der 6. WG-Mitbewohner), hat er wahrscheinlich herausgefunden dass ich im leer stehenden Zimmer des öfteren genächtigt habe und ich meine Sachen am nächsten Morgen in Sonias Zimmer anscheinend nicht perfekt verstecken konnte, kam ihm die Idee einfach das Zimmer abzuschließen. Prima! Klar, ich hab kein Recht drauf – aber er hätte es mir schiffbrüchigen Deutschen mal netterweise geben können.

Zwei, drei mal durfte ich schon die Szene Toulouse erkunden. Eine große Vielfalt an netten kleinen Bars und Cafés, die viel Gemütlichkeit beherbergen. Es gibt sogar auch eine bayrische Taverne hier, mit…natürlich, Paulaner Hefeweizen.

Die Universität habe ich freilich auch schon besucht und dabei von meinem Apartment einen weiten Weg auf mich genommen. Zweieinhalb Stunden (mit kleinen Umwegen) war ich von meiner zukünftigen WG zur Uni zu Fuß unterwegs. Dabei habe ich bemerken müssen, dass manche (lange) Fußwege einfach im Nichts endeten, und ich auf einer Landstraße weiterging, mich schließlich neben einer Schnellstraße befand und mir vorkam als sei ich der letzte Schwarzafrikaner auf dem Weg ins gelobte Europa.

Einen Marsch den man nun nicht wirklich jeden Tag auf sich nehmen will. Deshalb muss ein Fahrrad her! Die Uni befindet sich ein wenig außerhalb der Stadt, mit Metro + Bus jedoch auch in einer dreiviertel Stunde zu erreichen.

So viel erst einmal liebes Blog-dock-log-tagebuch!