Jobsuche und Kulturstunde No. 4
Prüfungen hinter mir. Das neue Semester nimmt seit gut einer Woche seinen Lauf, ohne mich, denn: ich bin dringend auf der Suche nach einem Job. Perfekt wäre es natürlich dies mit der Uni zu vereinbaren, demnach einen 20h Job zu finden, aber nach zahlreichen Bewerbungen als Vorarbeiter, Tellerwäscher oder Pizzabäcker geh ich nun aufs Ganze und bewerbe mich auch für Angebote wie Systemadministrator oder Call-Center Agent mit sprachlichen Kenntnissen in deutsch oder englisch auf Vollzeit-Basis.
Also, entweder so schnell wie möglich einen Job nach Maß (20h) und die Uni nebenbei oder ein Sprung in die kalte professionelle Arbeitswelt.
Die Gründe dafür sind sehr unterschiedlich. Erstens brauch ich Geld, zweitens brauch ich Geld,…usw. Erstens deshalb, weil meine normalen Lebenskosten hier in Toulouse im Monat mindestens zwischen 600-700€ liegen (380€ Miete) und dabei kauf ich nur im unteren preislichen Marktsegment ein. Zweitens deshalb, weil mir durch verschiedene mysteriöse Umstände ca. 3000€ von jetzt auf nachher abhanden gekommen sind. Dies könnte man unter Kreditkartenbetrug zusammenfassen. Ein Prozess ist im Gange das viele Geld zurückzubekommen, ein Teil ist zumindest schon zurückerstattet. Merkwürdig: Zwei Mitbewohnern vor mir ist Ähnliches widerfahren. Meine geplagten, gerupften, aufopfernden Eltern will ich deshalb auch nicht viel länger so extrem auf der Tasche liegen.
Drittens deshalb, weil ich der Meinung bin, dass mir die Uni hier nicht wirklich 100% zusagt und ich mich irgendwie schon auf hallische Seminare ohne stundenlange Professoren-monologe freue.
Noch eine kurze Kulturstunde, die ich mir nicht verkneifen kann:
- es gibt Seminare die sich nur um einen deutschen drehen, aber ausschließlich! Um den berühmten Philosoph „Cont“ oder wie wir auch sagen würden „Kkkkant“ z.B. erklärt durch Philosophie Professoren in höchster Extase, von wirren gestikulierenden Gestalten mit viel wirrem Haar, begleitet von zig ähhs und aaahs und Angsteinflößenden Denkpausen sowie maschinenartig hervorstoßenden Gedankenresumés ODER von überdeutschen (Pünktlichkeit +Disziplin betreffend) Philosophieprofessoren im banlieuartigen Jogging/Goldketten-Outfit! Der Wahnsinn! Ich hab entschieden Philosophie ist vielleicht interessant anzusehen, aber nicht auf Französisch zuzuhören!
Warum befassen sich die Frz so intensiv mit dt. Namen, fehlt ihnen (noch) das schwermütige, sensible, kritische Deutschsein um zu philosophieren?
- La Vie des Autres (Das Leben der Anderen) – habe ich mit meinen Mitbewohnern geschaut – Sie wussten gar nichts davon, nur das die Mauer irgendwann 80er gefallen ist:o. Ein guter Film!
- Wir sind „The Krauts“ in England, „les Choucroutes“ in Frankreich und „os(?) Crocos“ in Italien – Wir sind die Sauerkrautnation! Ein Klischee das wahrscheinlich für immer existieren wird!
Frage: Warum steht hier dann aber auf jeder Sauerkrautpackung oder Menükarte, dass Sauerkraut eine elsässische Spezialität ist??
- Ich fahr im Straßenverkehr wie der letzte Arsch! Mir macht jeder Platz – und dabei bin ich nur mit Fahrrad unterwegs! Dies benötigt in unentschlossenen Situationen (weil der Franzose lässt sich gern die Vorfahrt nehmen) immer nur einer kleinen Geschwindigkeitsbeschleunigung und einem grimmigen dt. Gesicht! Ab und zu halte ich jedoch für Französinnen:)
- Ich habe eine sehr tiefgreifende kulturelle Erfahrung machen dürfen, bei der man so einiges in Frage stellt, diese kleine Bild hier unten sagt alles, bitte sorgfältig begutachten und besser nicht vorstellen WIEEE das geht!!
Diese Installationen findet man übrigens in unsere Uni ausschließlich im äußeren Bereich.
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