Mittwoch, Dezember 13, 2006

Luxusstollen

So, heute wollte ich meiner WG mal eine deutsche Weihnachtsspezialität nahe bringen. Mein Ausgangsprodukt war nun nicht gerade das Beste:

1, 60€ bezahlte ich für den luxseriösen Stollen (heißt auch genau so) bei Leader Price (das ist wirklich der Aldi unter den frz. Supermärkten). Glücklicherweise aus Deutschland importiert.
Ich beschloss dass es Zeit war, sich der unvermeidbaren Weihnachtsstimmung zu beugen. Auf meinen einladenden Weihnachtstee + Stollen ließen sich fast alle meine Mitbewohner ein. Folgende Kommentare bekam ich zu hören:

Prollo Lionel: Hermann, ich mach dir mal einen Richtigen. Den bring ich mal mit, das ist wirklich was Feines, das heißt bla bla….

Ich: Einen richtigen? Wie bitte? Das kann nicht sein! Der Richtige, und zwar der richtige Stollen kommt nur aus Dresden (musste ich 3x erklären) bzw. aus Deutschland.

Nadia (auf dem Sprung): Ja…nicht schlecht das Ding da!

Ähnliche Kommentare folgten von meinen anderen Mitbewohnern.

Auf mein eigentliches Ziel: gemütliches Stollenessen, ließen sich zwar wenige ein, doch war ich doch stolz, eine deutsche Tradition etwas bekannt gemacht zu haben.

der deutsche Kulturbotschafter Hérmann H.


PS: a propos 'errman: hier denkt jeder ich heiße armant (equivalent zum dt. Namen) und deshalb stell ich mich manchmal vor, wie damals in den Staaten mit: "Je suis armant, l'allemand!" Sowie einst "I'm Herman the German!". Ich liebe solche Parallelen!

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Dienstag, Dezember 05, 2006

dreymal jehupe!

Heut hat es dreimal gehupt = also 3 Gehupe(?) oder 3 Hups(?) oder 3 Gehupes ( so wie: "Ich hätt gern 3 Gehupes, bitte! Aber mit Extra-anschnauzen!").
Steffi, ich hab ähnliche Probleme wie du mit deinen 14 Feuerala(e)rm(en).
Wahrscheinlich übertreib ich es langsam mit meinem "freiem" Fahrradfahrstil. Ein beinahe-Unfall war dabei. 3x Hupen, das muss schon was heißen. Regelmäßig fahr ich nun mit dem Fahrrad in die Uni, dadurch bin ich nun des öfteren im toulousianischen Verkehr unterwegs. Die Metro besteht am Morgen sowieso nur aus lauter Schaafsherden. Nein, da sind keine 20cm² mehr platz,...oh...ach ja...doch noch!

Samstag, Dezember 02, 2006

frz Kulturstunde 3

(Achtung: Post in drei Teile, dieser Teil 3/3)
Exkurs:
(die Hausarbeit ist noch in mir…)

Ölheizung holen war eine Tourtour. Sie befand sich auf der anderen Seite von Toulouse. Das ca. 10 kg schwere Ding transportierte ich mit eisernen Armen in die Metro, danach im Bus. Einige merkwürdige Blicke ignorierte ich erfolgreich, bis zu dem Punkt als im Bus plötzlich das Petroleum auslief. Panisch versuchte ich die Flut von Petroleum mit einer winzigen Packung Taschentücher zu stoppen. Leider, natürlich, erfolglos.

Noch lange nicht in der Nähe meines Viertels, musste ich (auf kritische Fragen von Busfahrer und Fahrgästen) aussteigen – wollte ja nicht in terroristischer Manier den Bus entflammen - so wie es sich zurzeit in den Vorstädten von Paris zutragen soll.
Den letzten Kilometer nach Hause – die Ölheizung tragend – habe ich wahrscheinlich noch nie soviel in meinem Leben geflucht. Ca. alle 5m, bei jedem absetzen der Ölheizung.

Aber, nun haben wir endlich eine, die auch super funktioniert, vorausgesetzt man hat Petroleum.

4.) Der Franzose hat Stil, hauptsächlich in Hinsicht der Kleiderauswahl. Denn, so konnte Reporter Harry Hirsch-Rousseau feststellen, ist sogar der Penner modisch gekleidet: Mantel, Baskenmütze…etc.
Um die Ecke befindet sich ein katholisches Gymnasium. Dem Kleidungsstil zu urteilen, könnte man vermuten dort befindet sich DIE Eliteuniversität Frankreichs. Wirklich lächerlich sind aber diejenigen, die solche Fingerhosen tragen. Bei Frauen mag das ja gut aussehen, aber doch recht schwul bei uns Männern.

5.) Es gibt einige Amélies hier. Man sieht sie auf der Straße.

6.) Ja, der Franzose isst viel Baguette, trinkt viel Wein (auch mittags!) und ist stinkenden Käse. Wie schön, dass sich Klischees bestätigen.

7.) Die Franzosen essen sehr gern Hacksteak und zwar durchaus blutig. Das Mensa Hacksteak könnte man sich auch getrost noch als Mett aufs Brot streichen. Wahrscheinlich legen die das Fleisch nur kurz auf die Heizung oder so.

Das dazu, mehr zu Vorurteilen und Klischees in nächster Zeit bzw. heißt sie Francoise und isst gern Brie? Außerdem ein Foto vom klischeesiertesten Franzosen der aus Deutschland kommt:)

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frz Kulturstunde 2

3.) 100% artgerechte Problemlösungen sind den Franzosen anscheinen fremd. Beabsichtigt ist hier jetzt kein „Culture-Superior-thinking“ unserer Kultur, doch ist dem Franzosen nicht wirklich bekannt, dass es eine Problem|lösung gibt, wahrscheinlich existiert dieses Wort auch gar nicht.
Beide Wörter haben große Bedeutung. Es ist nicht nur eine (mögliche) Lösung für ein (temporäres) Problem. Nein, eine komplette Problemlösung (sozusagen all inclusive).
Ok, mein kleiner Frust hat folgenden Ursprung:
Bald bricht der Winter ein. Temperaturen sinken auch hier langsam. Einige Tage waren bereits „kalt“.
Um unser Haus zu heizen, haben wir eine normale Heizung. Doch wurde entschieden, diese ab dem jetzigen Winter nicht mehr zu nutzen. Da sie jeden einzelnen Mitbewohner im letzten toulousianischen Winter über 1000€ kostete (nur Heizkosten).
Also, zu kostpielig!
Die Lösung: Elektroheizungen
Das Problem: begrenzte Kapazität in doppelter Hinsicht. Wenn zwei elektr. Heizkörper im ganzen Haus laufen, führt die Benutzung des Wasserkochers zur kompletten Stromüberlastung-> Sicherung springt raus. Das ist nun schon mindestens 30x mal passiert. Außerdem sind Elektroheizungen in ihrer Heizungskraft doch eher begrenzt. Ohne Heizung bei mir im unteren Bereich kann es schon ziemlich kalt werden.
Problemlösung für die Anderen: keine
Also, hab ich mich dran gemacht, die Fenster und Türen zu isolieren (da kommt der deutsche Häuslebauer durch, ehrlich!) und eine mobile Ölheizung zu kaufen.
Ich bin der Held! Nein, dieses Thema habe ich x-mal angesprochen, als Antwort heißt es dann nur „keine Sorge“…oder ...“na wir haben doch die elektrischen Heizungen“.
Wahrscheinlich macht sich meine WG da erst Gedanken drüber, wenn wir im tiefsten Winter sind. Vielleicht ist das ja auch ein Test – bis der erste schlapp macht. Gut, ich will nicht der erste sein, lol!
Obwohl ich selber überhaupt nicht den typisch dt. Ordnungs- und Planungssinn innehabe (ha!), mag ich doch dass wir da etwas disziplinierter herangehen.
à pro pos Disziplin, die Franzosen machen sich gern mal ein Spässchen mit „1,2,3,4…“ auf deutsch(!) um auf die deutsche militärische Gehorsamkeit aufmerksam zu machen bzw. ist dies ein „spassiger“ Appell für Disziplin.
Disziplin wäre eigentlich schon wieder ein eigener Punkt, denn was die Franzosen unter Disziplin verstehen ist eigentlich sehr deutsch und das funktioniert wiederum nicht. Ich nehme wieder ein Besipiel vom Volleyball: dort klappt einfach keine Übung ohne Trainer, weil immer irgendjemand pennt bzw. nicht gerade super motiviert ist.
Das siegt halt die Liberté!

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frz Kulturstunde

Heute etwas über den Franzosen an sich. Heißt er Jaques? Oder isst er gerne Camembert?

Disclaimer: Vorsicht, alles subjektive Generalisierungen à la 'Errrmann.

1.) Er instruiert nicht, wie man es machen sollte und dass man es machen sollte in 90% der Fälle, verglichen zu dem oder der Deutschen „AustauschLehrer(in)“ (das trifft zumindest auf eine Deutsche zu, die beim Volleyball ihre Mitspieler wie eine Sowjetmilizin auf die Positionen dirigierte).
Begründet liegt diese Art des Handelns, so möchte ich vermuten, im französischen Grundverständnis: „liberté, égalité, fraternité“
Unverständlich? Ein Beispiel: Im Verkehr, als Fahrradfahrer bin ich der freiste Mensch, keine rote Ampel, kein Auto kann mich stoppen. Die Liberté toujours!
An einer Rechts-vor-links Kreuzung gewährt mir als Fahrradfahrer jeder Franzose die Vorfahrt, obwohl ich sie natürlich nicht gehabt hätte. Und ich "deutscher" Gesetzestreuer halte trotzdem immer an und setze mind. 3 Sek. einen misstrauischen Blick auf. Hilft nix, ich krieg immer Vorfahrt!
Aber Schluss damit in Zukunft, es lebe der freie Fahrradfahrer in Frankreich!
Und wenn ich dann doch mal im allerspätesten Moment über die rote Kreuzung schnippe: kein hupen – nichts! Es wird sachte gebremst und gechillt weitergefahren.

2.) Der Franzose befasst sich gern mit großen deutschen Namen, allen voran mit Philosophen wie Kant, Hegel, Heidecker, Fichte…etc.
Aber auch Marx Schriften scheut er nicht! Ich belege beispielsweise den Kurs „Philosophie allemande“ – um einmal die frz.-dt. Sicht im Bereich Philosophie kennenzulernen:
Wir übersetzen im Kurs 20 Zeilen lange Sätze aus Marx Analen live im Unterricht, bzw. ausschließlich unser Professor. Hochkomplex! Hochachtung, besonders an diejenigen im Kurs, die sich ohne vorherige Deutschkenntnisse, nun 4h in der Woche damit beschäftigen (müssen).
Hinzuzufügen als interessanten Aspekt wäre außerdem, das mein Philosophie Professor es vorzieht eine Art Jogginghose, Unterhemd und auch Goldkettchen zu tragen. Des Weiteren achtet er sehr auf schon fast „überdeutsche“ Pünktlichkeit. Sogar allgemein wundert es mich, dass die Franzosen pünktlich im Unterricht erscheinen (was mir ja manchmal ein paar Probleme bereitet:). Sowieso, im Großen und Ganzen: deutsche Austauschschüler sind hier das Gegenteil was man von ihnen erdenken würde – „ach ja…Hausaufgaben…mmh, nee, wieso?“

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Abstitenzpayka Hausarbeit

Wie man an meinem letzten Eintrag bemerkt haben könnte, habe ich mich doch in gewisser Weise "eingelebt" und wie immer das Netz als gute, traditionelle Informationsquelle wiederentdeckt. Doch jetzt wieder zum französischen Stil und zur Lebensweise, denn die Zeit hier vergeht eigentlich viel zu schnell!

Vorher möchte ich noch kurz die letzten zwei bis drei Wochen zusammenzufassen:

- Uni, Hausarbeit, WG-Leben, Hausarbeit

So kann ich es zusammenfassen. Nicht sehr intensiv hab ich am sozialen Leben teilgenommen. Deshalb hielt sich mein Französisch doch nur auf relativ ausreichendem Niveau. Doch da die Hausarbeit jetzt seit 1 Wo abgeschlossen ist, nimmt mein Französisch nun wieder Fahrt auf.

Irgendwie hab ich auch die Erfahrung gemacht, dass wenn man sich intensiv mit seinen Hausarbeiten auseinandersetzt, man wie benebelt durch den Alltag läuft und an kaum noch etwas anderes denkt (vielleicht auch nur komplett abschaltet -> Standby). Man besteht quasi 90% aus Hausarbeit und die restlichen 10% sind die natürlichen Fkt., die man gerade noch so auf die Reihe kriegt (wie Klo, mampfen, pennen…kommunizieren – nein, das schon nicht mehr! Vielleicht höchstens noch in Lauten oder mit prähistorischen Gesten).

PS: da ich nun an der Uni die indigene Sprache Quechua lerne (wird bestimmt sehr hilfreich sein, wenn ich mal um nen Fisch mit 'nem Indigenen in Hochanden von Bolivien handele), wollte ich auch mal ein Wort auf Quechua unterbringen. Das suffix -payka heißt soviel wie "aufgrund von"/ "weil"!

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